Kanoniere
Kanoniere
Zu einem Artilleriecorps gehört – wie der Name schon sagt – natürlich auch eine Kanone und entsprechendes Bedienpersonal, die „Kanoniere“. Das sagten sich die Blauen Funken Zülpich kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1927 auch und so ziehen sie seit 1933 – also seit mehr als 90 Jahren – mit ihrer eigenen Kanone an Karneval durch die Straßen der Stadt Zülpich oder nutzen sie zu besonderen Anlässen im Vereinsleben.
Das Herzstück des stattlichen Corps zur Nachahmung preußischer Artillerie ist heute das älteste Fahrzeug, das im Zülpicher Rosenmontagszug mitfährt. Es besteht aus einer Lafette sowie einem Vorwagen, beide auf eisenumrundeten Holzrädern, die vor einigen Jahren in mühevoller Kleinarbeit von jahrzehntealtem Lack befreit wurden. Die Schirrmeisterei der Funken, die Abteilung der Kanoniere, sorgt dafür, dass dieses historische Gefährt stets auf dem aktuellen Stand der Technik bleibt und natürlich einsatzbereit ist. So wurden bspw. die Räder bei einem der letzten zertifizierten Stellmacher Deutschlands in Hessen komplett überholt. Dabei wurde auch festgestellt, dass der Achskörper des Gefährts ausweislich einer entsprechenden Inschrift aus dem 18 Jahrhundert stammt. Über die frühere Nutzung ist aber leider Nichts bekannt. Passend zu diesem historischen Gefährt besitzen die Funken seit einigen Jahren auch noch einen alten Planwagen, der ebenfalls über stahlbewehrte Holzräder verfügt und als Bagagewagen oder als Mannschaftstransportwagen eingesetzt wird.
Bei allem Spaß legen die Funken natürlich auch Wert auf die weitgehende Sicherheit Ihrer Kanone. „Geschossen“ wird diese nicht wie bei anderen Vereinen mit Böllern, sondern mit einer elektronischen Schussanlage. Darüber hinaus unterliegt das Gerät natürlich auch der polizeilichen Überprüfung.
Für die Kanoniere ist der Straßenkarneval, wo sie zum einen maßgeblich dafür sorgen, dass der Bürgermeister bei der traditionellen Schlüsselübergabe am Karnevalssonntag die kommunale Macht an den Prinzen Karneval übergibt natürlich der Rosenmontagszug, an dem die Kanone – außerhalb der Stadtmauer – oft „gezündet“ wird, um eventuellen Belagerern und Invasoren der Stadt klarzumachen, dass die Stadt geschützt ist.
Außerhalb der Karnevalszeit sorgt die ca. 15-18 Mann starke Kanoniersabteilung als Schirrmeisterei für die Verwaltung, Wartung, Reparatur und Instandhaltung des Fuhrparks sowie der technischen Ausstattung. Sie sichert die ständige Einsatzbereitschaft durch Materialkontrollen, Prüftermine und Beschaffung von Ersatzteilen, stellt für den Rosenmontag die Fahrzeuge bereit und räumt sie dienstags wieder ins Depot. Und zwischendurch realisiert sie Sonderprojekte, wie bspw. im letzten Jahr die Herrichtung des Sanitäranhängers oder den spontanen Bau eines großen Adventskranzes, der erstmals 2025 am Kölntorparkplatz in der Halterung des Vereinsmaibaums öffentlich errichtet wurde.